











Wasser das bleibt!
Das Projekt untersucht ein Neubauquartier in Staufen West als räumliches System aus Oberfläche, Infrastruktur und Klima. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Wasser im heutigen Siedlungsbau vollständig kontrolliert und aus dem Alltag verdrängt wird. Dachentwässerung, Kanalisation und Abdichtung führen dazu, dass Wasser möglichst schnell verschwindet. Gleichzeitig entsteht eine scheinbar perfekte Ordnung aus Normen, standardisierten Grünflächen und technischen Systemen. Unter dieser kontrollierten Oberfläche liegt jedoch eine andere Realität: die Tiefgarage – ein künstlicher Boden aus Beton, Infrastruktur und verborgenen Räumen. Das Projekt setzt genau dort an. Blick auf die Wasserabflusskarte zeigt, dass sich zwischen den Gebäuden bereits heute Wasser sammelt. Diese Störung wird nicht beseitigt, sondern verstärkt. Durch eine umlaufende Brüstung auf der Tiefgaragendecke bleibt Regenwasser im Quartier zurück. Zwischen den Häusern entsteht eine neue Landschaft aus Feuchtigkeit, Verdunstung, Vegetation und saisonalen Veränderungen. Wege verändern sich, Pflanzen breiten sich aus, Oberflächen werden instabil. Die kontrollierte Ordnung beginnt sich langsam aufzulösen. Gleichzeitig verschiebt sich der Zugang zur Siedlung ins Untergeschoss. Die Tiefgarage wird vom technischen Nebenraum zum neuen Entrée und klimatischen Aufenthaltsraum. Neue Öffnungen und direkte Zugänge verbinden Garage, Treppenhaus und Wohnungen miteinander. Im Sommer strömt kühle Luft aus dem Untergeschoss bis in die Wohnungen – eine unkontrollierte Form der Wohnungslüftung entsteht. Geräusche, Licht, Luft und Blicke dringen ins Treppenhaus. Die Grenze zwischen privatem und gemeinschaftlichem Raum wird neu verhandelt. Die Siedlung wird dadurch nicht mehr als fertiges Objekt verstanden, sondern als lebendiges System in Veränderung. Wasser, Vegetation, Klima und Alltag beginnen sich räumlich miteinander zu verschränken.