











Das gemeinsame Recht auf Raum in der Ukraine
Aufgrund des Krieges gibt es in der Ukraine derzeit 3,7 Millionen Binnenvertriebene, von denen rund 20.000 obdachlos sind. Seit dem Jahr 2024 erlaubt das Kriegsgesetz 4080-IX die Nutzung von Schulen, die seit mindestens einem Jahr leer stehen, als Notunterkünfte für Binnenflüchtlinge. Dieses Projekt baut auf diesem Rechtsrahmen auf und schlägt eine Änderung von Artikel IV, Absatz 61 vor, die es neu ermöglicht, dass ebenfalls aktive Schulen – wie die im Fallbeispiel untersuchte – als temporäre Unterkünfte für Binnenvertriebene genutzt werden können. Dieser Schultypus ist in der Ukraine weit verbreitet. Ausgehend von der Idee, Leerstand nicht räumlich, sondern zeitlich zu verstehen, kombiniert das Projekt organisatorische und architektonische Interventionen. Ein flexibler, interaktiver Stundenplan regelt die gemeinsame Nutzung der Räume durch die Schulgemeinschaft und die Binnenvertriebenen. Ergänzende Programme strukturieren den Schulalltag, ohne den regulären Schulbetrieb zu stören. Zentrales Element der architektonischen Massnahmen ist die Rampenkonstruktion im Schulhof. Sie ermöglicht barrierefreien Zugang zu allen Etagen und schafft zusätzliche Flächen für gesellige Zusammenkünfte auf verschiedenen Ebenen. Die Turnhalle dient nun als Schlafsaal, der Sportunterricht findet im Innenhof statt. Durch die Gesetzesänderung wird kurzfristig eine temporäre Unterkunft geschaffen, von der die Schule langfristig profitiert.